Erkenntnisse der Hirnforschung

Wenn sich jedes Jahr die ca. 30.000 Mit­glie­der der neu­ro­wis­sen­schaft­li­chen Gesell­schaft zum Kon­gress tref­fen, wer­den unter ande­rem aktu­el­le Erkennt­nis­se vor­ge­stellt, die im zurück­lie­gen­den Jahr gewon­nen wur­den. Im Fol­gen­den ein paar Erkennt­nis­se der letz­ten 20 Jah­re, die auch für Schu­le von Bedeu­tung sind:

  1. In jedem Gehirn von Jung bis Alt wach­sen immer Ner­ven­zel­len. Die alt­her­ge­brach­te Mei­nung ist hin­ge­gen, dass das Gehirn mit zuneh­men­den Alter qua­si den „Hirn­tod auf Raten” erlebt.
  2. Die neu­en Ner­ven­zel­len ler­nen bes­ser als die alten.
  3. Wenn man joggt, wach­sen Extra-Ner­ven­zel­len nach. Das heißt, der Sport­un­ter­richt erzeugt die Hard­ware (= neue Ner­ven­zel­len), die mit Soft­ware (= Lern­in­hal­te) gefüllt wer­den kann. Des­we­gen müss­te es eigent­lich jeden Tag Sport­un­ter­richt geben! Oder anders aus­ge­drückt: Kin­der, die nicht täg­lich vor Anstren­gung schwit­zen, nut­zen ihre Poten­zia­le nicht aus.
  4. Das Gehirn ver­än­dert sich täg­lich, weil es immer lernt. Ler­nen kann man nicht ver­hin­dern. Die Fra­ge ist nur, was das Gehirn lernt.
  5. Neu­es kann nur gelernt wer­den, wenn es an bereits Gelern­tem anknüp­fen kann.
  6. Der Auf­ent­halt „im Grü­nen” wirkt sich unzwei­fel­haft posi­tiv auf das sozia­le Mit­ein­an­der aus! Des­halb: Hin­aus in den Wald und auf die Wie­se!
  7. Mäd­chen und Jun­gen sind für Mathe­ma­tik glei­cher­ma­ßen begabt und gleich gut. Wer einem Mäd­chen sagt „Du bist halt nicht so gut in Mathe, weil du ein Mäd­chen bist”, senkt die Leis­tun­gen von Mäd­chen. Denn: Wenn man glaubt, dass eine Fähig­keit von einer Bega­bung abhän­gig ist, dann übt man erst gar nicht. Das trifft im übri­gen auch für Sport zu. Wer sich für unsport­lich hält, gibt sich kei­ne Mühe, und wenn man das beno­tet, bewirkt der Sport­un­ter­richt, dass man die­sen Kin­dern die Lust an Sport ver­miest. Und das gilt eben auch für ande­re Fächer.
  8. Es ist nicht egal, was man von sich selbst denkt: Wenn man meint, dass man schlecht ist, ist man schlech­ter als mög­lich. Wenn man glaubt, dass man gut ist, ist man bes­ser. Die Stu­die, die die­sen Zusam­men­hang belegt hat, wur­de unter ande­rem im Sci­ence-Maga­zin publi­ziert. Der Effekt war – sehr kurz gesagt – der, dass die Schul­no­ten über einen Zeit­raum von zwei Jah­ren bes­ser wur­den ins­be­son­de­re bei den schwa­chen Schü­lern! Die­se Kin­der stärkt man aber nicht, indem man ihnen auf die Schul­tern klopft, son­dern indem sie sich selbst stär­ken, weil nur das ist für sie echt bzw. ehr­lich. Sie selbst suchen sich die Mit­schü­ler / Vor­bil­der aus, an denen sie sich ori­en­tie­ren und zwar sind dies Vor­bil­der, die sie auch rea­lis­ti­scher­wei­se errei­chen kön­nen. Wie hat man die Selbst­be­ja­hung in der Stu­die geför­dert? Der Effekt wur­de nach­ge­wie­sen, indem die Schü­ler vier­mal im Jahr über sich selbst geschrie­ben haben (Was kann ich gut? Was für Zie­le habe ich?)

Zitat Man­fred Spit­zer: „Was haben wir als Grund für unser Export­welt­meis­ter-Dasein? – Die Gehir­ne der nächs­ten Gene­ra­ti­on. Der­zeit ver­müllen wir die sys­te­ma­tisch jeden Tag. Die Medi­en machen das… Und die Schu­len versuchen’s a bis­serl, aber wenn Sie mal über­le­gen, wor­um gehts: Out­put, Out­put, Out­put, PISA-Test, aber nicht drum, aus dem (dem Schü­ler), was zu machen, wo er sich wohl­fühlt, wo er stark ist und sagt: Da kann ich hin! Im Gegen­teil, wir sagen immer: Das kanns­te nicht, das kanns­te nicht, das kanns­te nicht. Wir demo­ti­vie­ren damit Schü­ler sys­te­ma­tisch! Und es gibt auch Unter­su­chun­gen dazu. Erst­kläss­ler, die haben rich­tig Lust auf Schu­le und spä­tes­tens am Ende von Klas­se 2 ist es damit vor­bei, aller­spä­tes­tens im ers­ten Halb­jahr der drit­ten Klas­se. War­um? Da geht es um die Gym­na­sial­emp­feh­lung und da macht es kei­nen Spaß mehr. Wis­sen wir doch alle! Das müs­sen wir aber ändern, wenn wir Export­welt­meis­ter blei­ben wol­len!”

aus: Auf­klä­rung 2.0, Vor­trag von Man­fred Spit­zer, Hirn­for­scher und Pro­fes­sor für Psych­ia­trie in Ulm und Ärzt­li­cher Direk­tor der Psych­ia­tri­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie im Arti­kel: Auf­klä­rung 2.0

Link­tipps mit Vide­os:


Anmer­kung:
Damit kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se auf­kom­men, stel­le ich klar, dass in den letz­ten 20 Jah­ren deut­lich mehr Erkennt­nis­se gefun­den wor­den sind, als die sie­ben von mir hier kurz vor­ge­stell­ten. Jähr­lich wer­den etwa 40.000 neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten publi­ziert. Wei­te­re Erkennt­nis­se wer­den in den Vide­os oben dar­ge­legt.

2 Antworten auf „Erkenntnisse der Hirnforschung“

  1. Ich wür­de ger­ne Wis­sen, wel­che Infor­ma­tio­nen zu dem Arti­kel „Erkennt­nis­se der Hirn­for­schung” vor­la­gen. Ich schrei­be im Moment mei­ne Zulas­sungs­ar­beit und suche nach neu­en Erkennt­nis­sen im Bereich des Ler­nens und bin auf den Arti­kel gesto­ßen, ich ver­steh nur nicht ganz auf wel­chen Vor­trag bzw. Stu­die sich die Infor­ma­tio­nen des Ati­kels bezie­hen.
    Ich wäre über eine Ant­wort sehr glück­lich.
    Vie­len Dank für die Bemü­hun­gen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 + fünf =