Offensive Bildung

Die BASF AG lud im Rah­men ihrer „Offen­si­ve Bil­dung” am 13. März 2013 den Hirn­for­scher Gerald Hüt­her ein, der im Lud­wigs­ha­fe­ner Fei­er­abend­haus zum The­ma sprach „Wie ler­nen gelingt – die beson­de­re Bedeu­tung der Bezie­hung”.

Den voll­stän­di­gen Vor­trag Hüt­hers, ein Inter­view mit Ralph Kühnl vom Rhein-Neckar Fern­se­hen, sowie den aus­führ­li­chen schrift­li­chen Kom­men­tar von Kühnl hal­te ich für sehr sehens- und lesens­wert: Bau­stel­le Bil­dung – Gedan­ken zur TV-Pro­duk­ti­on mit Prof. Gerald Hüt­her Für das Fern­se­hen spricht Kühnl auch noch einen 2-minü­ti­gen Video-Kom­men­tar ein.

Die BASF bie­tet wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Ver­an­stal­tungs­tag und dar­über hin­aus sehr infor­ma­ti­ve Prä­sen­ta­tio­nen, sie­he Fach­kon­gress 2012 ganz unten.

2 Antworten auf „Offensive Bildung“

  1. Ich fin­de es scha­de, dass Hr. Hüt­her auf die Fra­ge nach dem Zulas­sungs­sys­tem zum Medi­zin­stu­di­um im Inter­view nur aus­wei­chend ant­wor­tet. Da wür­de mich wirk­lich mal inter­es­sie­ren, wie er dies in „sei­nem” Kon­zept von Schu­le und Bil­dung umset­zen möch­te, vor allem in Berei­chen, wo sehr stark selek­tiert wer­den muss. 

    Die (weni­gen) neu­ro­bio­lo­gi­schen Fak­ten sei­nes Vor­trags fin­de ich in der Tat auch inter­es­sant und spie­geln ja teil­wei­se auch das wie­der, was in der viel­zi­tier­ten Hat­tie-Stu­die deut­lich wur­de (Stich­wort Bezie­hung). All sei­nen Schluss­fol­ge­run­gen kann ich aber nicht fol­gen: Den hohen Medi­en­kon­sum man­cher Kin­der auf Schul­frust zu redu­zie­ren hal­te ich für nicht halt­bar. Was ist denn mit den 3–5-jährigen?? Ich den­ke da läuft schon vor­her (sprich im Eltern­haus) sehr viel schief, was Schu­le dann aus­löf­feln muss. Auch im Bereich der (Selbst-)disziplin müs­sen die maß­geb­li­chen Impul­se und Lern­ge­le­gen­hei­ten im Eltern­haus ange­bahnt wer­den. Das Selbst­di­zi­plin ein ele­men­ta­rer Bau­stein von erfolg­rei­chem Ler­nen ist, ist ja ein alter Hut. Die Stu­di­en von Mischel haben dar­auf ja schon vor Jahr­zehn­ten hin­ge­wie­sen.

    1. Hal­lo Flo­ri­an,

      ein paar Gedan­ken gin­gen mir durch den Kopf, wäh­rend ich dei­nen Kom­men­tar las.

      Zum Zulas­sungs­sy­tem:
      Dass Hüt­her aus­wei­chend geant­wor­tet hät­te, sehe ich nicht. Er hat alter­na­ti­ve Bewer­tungs­for­men auf­ge­zählt, die ein umfas­sen­de­res Bild des Schü­lers abbil­den soll­ten als es Zif­fern­no­ten tun. Und dar­auf kommt es ihm an, sofern ich ihn rich­tig ver­ste­he, wenn man die „geeig­nets­ten Kan­di­da­ten” für ein Stu­di­um her­aus­fil­tern möch­te. Inwie­weit das dann ganz kon­kret aus­se­hen könn­te, ich glau­be, so weit zu den­ken, sind drei oder vier Schrit­te zu viel, wenn man schon beim ers­ten Schritt so viel Gegen­wind erfährt. 

      Zur Bezie­hung:
      Umso bes­ser, wenn immer mehr die Bedeu­tung der Bezie­hung für den Lern­er­folg her­aus­stel­len.

      Zu Schul­frust und Eltern­haus:
      Ja, man­che Eltern küm­mern sich nicht mehr so um ihre Kin­der, wie es wün­schens­wert wäre. Als Leh­rer muss man aber bei Schuld­zu­wei­sun­gen von Eltern­sei­te pro­fes­sio­nell „dar­über” ste­hen. Dies soll­te umso mehr für ver­be­am­te­te Leh­rer gel­ten, die ja dabei (finan­zi­ell) nichts zu befürch­ten haben. Die­ses „Verantwortung-Hin-und-herschiebe”-Spielchen ver­ste­hen aber alle Sei­ten vor­züg­lich zu spie­len, wenn etwas schief läuft. Irgend­wann ersti­cken wir noch im Sumpf der Befind­lich­kei­ten! Aber über Schuld­zu­wei­sun­gen ist noch kei­nem Kind gehol­fen.

      Hüt­her erklärt im Inter­view, dass er den Leh­rern kei­ne Pau­schal­schuld gibt. Viel­mehr beklagt er doch, dass Leh­rer Getrie­be­ne sind von Reform zu Reform aus den Kultus-/Ministerien und sie dar­über den Blick auf das Kind und sei­ne Talen­te ver­lie­ren kön­nen. Ähn­li­ches beschreibt ja auch Ken Robin­son an ande­rer Stel­le: Eine Bil­dungs­re­vo­lu­ti­on wagen

      Ergän­zung: Soeben ent­de­cke ich einen Kom­men­tar zum sog. „Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Kom­pass”, der auch auf die­ses unsäg­li­che Ver­ant­wor­tungs­spiel­chen ver­weist: Eltern und Leh­rer müs­sen an einem Strang zie­hen

      Zu Selbst­dis­zi­plin:
      Hüt­her, Mischel wären mir da alle egal – ein Blick in mei­ne eige­ne Bio­gra­phie reicht mir, um den Nut­zen von Selbst­dis­zi­plin zu erken­nen 🙂 Aber das behal­te ich bes­ser für mich 😉

      Und nun noch etwas zu Hüt­her:
      1. Was ich bedenk­lich fin­de, das sind nicht sei­ne Erkennt­nis­se und Schluss­fol­ge­run­gen, die er aus sei­nen For­schun­gen zieht – die­se abzu­wä­gen und zu reflek­tie­ren liegt bei mir -, son­dern das sind die­je­ni­gen – ja, ich ken­ne wel­che -, die Hüt­her „ver­göt­tern”, weil sie sich von sei­nen Schluss­fol­ge­run­gen die Lösung aller schu­li­schen Pro­ble­me erhof­fen (Es wird immer Pro­ble­me geben! Ande­re eben…) oder in sei­nem Buch her­aus­le­sen, dass auch „mein Kind hoch­be­gabt” sei im Hin­blick auf die Erwar­tun­gen, die Schu­le der­zeit stellt. A pro­pos, ich hät­te vor etwa 3 Jah­ren an einer Pri­vat­schu­le in Hes­sen anfan­gen kön­nen zu arbei­ten, die sich „Hüt­her auf die Fah­nen” geschrie­ben hat. Nach den zwei Stun­den, die ich dort ver­brach­te, wuss­te ich eines: Dass ich das Stel­len­an­ge­bot noch vor Ort ableh­nen wer­de!
      2. Außer­dem fin­de ich es unpas­send, wenn man in Hüt­her jeman­den sieht, der „alles beju­belt, was Kin­der tun”. Wenn ich Hüt­her zuhö­re, dann ist es mit­nich­ten so. Er äußert sich klar pro Leis­tung und sogar den aktiv han­deln­den Leh­rer. Er erwähnt in dem Rah­men auch Eigen­schaf­ten wie Respekt, Ach­tung, Ver­ant­wor­tung, Initia­ti­ve, Lei­den­schaft. Aber Hüt­her spricht sich gegen eine (Schein-)Leistung (im dop­pel­ten Sin­ne!) aus, die zu kurz­fris­tig halt­ba­rem Wis­sen führt. Und vor allem das fin­de ich sehr sym­pa­thisch.

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