Philosophieren mit Kindern

Neu­lich sah ich mir erneut das Inter­view von einer Mut­ter mit Man­fred Spit­zer über „Ler­nen und Moti­va­ti­on” an: Video anse­hen. Spit­zer hat u.a. Phi­lo­so­phie stu­diert und wird von der Inter­viewe­rin gefragt, inwie­fern das Phi­lo­so­phie­stu­di­um sein „For­scher­ver­hal­ten” geprägt hät­te. Sei­ne Ant­wort gibt er im Inter­view ab 11.20min. Zusam­men­ge­fasst sagt er:

  1. Er habe den­ken gelernt, und zwar gründ­lich.
  2. Er habe sich einen „Weit­blick” ange­eig­net.

Den­ken ler­nen – was bedeu­tet das? Wie voll­zieht sich „Den­ken”? Ich ver­su­che zu for­mu­lie­ren, was ich dar­un­ter ver­ste­he: Den­ken beschreibt alle Pro­zes­se, bei denen vie­le lose „Ein­zel­ge­dan­ken” ent­ste­hen, die unbe­wusst oder bewusst bewer­tet, ver­wor­fen und/oder fort­ge­führt wer­den und wei­ter zu einem struk­tu­rier­ten Gedan­ken­gang zusam­men­ge­führt wer­den. Am Ende steht ein, wie auch immer gear­te­ter, Erkennt­nis­ge­winn. Den­ken ist also etwas kom­ple­xes, das sich in abs­trak­ter Form, also in unse­rer Vor­stel­lung voll­zieht.

Kön­nen Grund­schul­kin­der so etwas leis­ten?

Der Buch­markt bie­tet eine Fül­le an Anre­gun­gen, die Kin­der zu die­sen Leis­tun­gen her­aus­for­dern. Eini­ge Bei­spie­le sind:

Struk­tu­rier­tes Den­ken, so sagt Spit­zer, habe er im Phi­lo­so­phie­stu­di­um gelernt. Struk­tu­riert zu den­ken ist mei­nes Erach­tens aber nicht nur für Erwach­se­ne not­wen­dig, son­dern auch für Kin­der. Dazu rege ich sie der­zeit ein wenig an. Am Mon­tag bat ich sie, sich mit der Fra­ge aus­ein­an­der zu set­zen: Ist 12 viel? Ich war gespannt, was Kin­dern dazu ein­fällt, ohne dass ich in irgend­ei­ner Form etwas vor­ge­be. Es war höchst inter­es­sant zu hören, wel­che Ant­wor­ten heu­te vor­ge­tra­gen wur­den. Wäh­rend eini­ge Kin­der kon­kre­te Bei­spie­le anein­an­der reih­ten (Ein 12 cm lan­ger Wurm ist grö­ßer als ein 12 mm lan­ger), um das „Es kommt dar­auf an” zu beschrei­ben, erklär­ten ande­re bereits qua­si auf einer Meta-Ebe­ne, dass es auf den Zusam­men­hang von Ein­heit und Zahl ankä­me oder beschrie­ben gar die Grö­ße der Zahl 12 im Ver­hält­nis zu allen ande­ren Zah­len. Hoch­in­ter­es­sant für mich war auch der Bei­trag, dass die „Grö­ße” der Zahl 12 abhän­gig sei davon, was man tue und mit wie viel Lust. 12 km Auto fah­ren sei ja schließ­lich nicht so lang und auch nicht so anstren­gend, wie ein 12km lan­ger Spa­zier­gang, der abhän­gig von dem Gelän­de sogar sehr anstren­gend sein kön­ne.

Struk­tu­rier­te und durch­dach­te Ant­wor­ten auf die­se offe­nen Fra­gen zu fin­den, ist mit Sicher­heit eine gro­ße Her­aus­for­de­rung und gelingt den Kin­dern auf ver­schie­de­nen Ebe­nen. Ich ent­ließ die Kin­der heu­te mit der Fra­ge: Wer ist „Ich”? Zu Hau­se sol­len sie nun schon allei­ne nach­den­ken und vor allem mit ihren Freun­den spre­chen, mit Eltern, Geschwis­tern etc. Ohne mit­ein­an­der zu reden, wird man nur sel­ten in der Lage sein, gut durch­dach­te Ant­wor­ten zu geben. Mor­gen wer­de ich eine kur­ze Sam­mel­run­de machen, wo die Kin­der ihre Ide­en, ihren per­sön­li­chen Blick­win­kel auf die Fra­ge vor­stel­len wer­den, um sich so gegen­sei­tig zu wei­te­ren Ide­en anzu­re­gen.

Den­ken ler­nen, die eige­nen Gedan­ken zu einem struk­tu­rier­ten „Kern­ge­dan­ken” zu über­füh­ren und die­sen zu arti­ku­lie­ren, das ist es, was Kin­der in sehr vie­len Berei­chen des Schul­le­bens benö­ti­gen, zum Bei­spiel beim Ver­fas­sen von Geschich­ten in Deutsch, beim Gespräch mit­ein­an­der, ganz beson­ders in allen Berei­chen der Mathe­ma­tik, sowie beim Expe­ri­men­tie­ren. Inso­fern stellt sich für mich dabei durch­aus die Fra­ge, inwie­weit Phi­lo­so­phie­ren mit Kin­dern dazu bei­tra­gen kann, dass Kin­der ler­nen, sich struk­tu­riert zu äußern, struk­tu­riert zu schrei­ben. Spit­zer wür­de aus­ge­hend von sei­nen Erfah­run­gen mög­li­cher­wei­se ant­wor­ten: „Sehr viel.” Ich wer­de die Ergeb­nis­se der Kin­der mit Span­nung wei­ter ver­fol­gen und ggfs. zu einem spä­te­ren Zeit­punkt einen wei­te­ren Bei­trag dazu ver­fas­sen.

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