Die absurde Schule der Tiere

»Es gab ein­mal eine Zeit, da hat­ten die Tie­re eine Schu­le. Das Ler­nen bestand aus Ren­nen, Klet­tern, Flie­gen und Schwim­men, und alle Tie­re wur­den in sämt­li­chen Fächern unter­rich­tet.

Die Ente war gut im Schwim­men; bes­ser sogar als der Leh­rer. Im Flie­gen durch­schnitt­lich, sie war aber im Ren­nen ein beson­ders hoff­nungs­lo­ser Fall. Da sie in die­sem Fach so schlech­te Noten hat­te, muss­te sie nach­sit­zen und den Schwimm­un­ter­richt aus­fal­len las­sen, um das Ren­nen zu üben. Das tat sie so lan­ge, bis sie auch im Schwim­men nur noch durch­schnitt­lich war. Durch­schnitts­no­ten aber waren akzep­ta­bel […].

Der Adler wur­de als Pro­blem­schü­ler ange­se­hen […] da er, obwohl er in der Klet­ter­klas­se alle ande­ren dar­in schlug, als ers­ter den Wip­fel eines Bau­mes zu errei­chen, dar­auf bestand, sei­ne eige­ne Metho­de anzu­wen­den.

Das Kanin­chen war anfäng­lich im Lau­fen an der Spit­ze der Klas­se, aber es bekam einen Ner­ven­zu­sam­men­bruch und muss­te von der Schu­le abge­hen, wegen des vie­len Nach­hil­fe­un­ter­richts im Schwim­men.

Das Eich­hörn­chen war Klas­sen­bes­ter im Klet­tern, aber sein Flug­leh­rer ließ es sei­ne Flug­stun­den am Boden begin­nen, anstatt vom Baum­wip­fel her­un­ter. Es bekam durch Über­an­stren­gung bei den Start­übun­gen Mus­kel­ka­ter und immer mehr Drei­en im Klet­tern und Fün­fen im Ren­nen. […]

Am Ende des Jah­res hielt ein anor­ma­ler Aal, der gut schwim­men, etwas ren­nen, klet­tern und flie­gen konn­te, als Schul­be­s­ter die Schluss­an­spra­che.«

Quel­le: Prof. Man­fred Bönsch (Uni Han­no­ver): Dif­fe­ren­zie­rung in Schu­le und Unter­richt, 1995

Wei­ter­ge­hen­des: Log­bü­cher statt Zeug­nis­no­ten

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