Wie entwickelt sich eine Haltung?

Hal­tun­gen ent­wi­ckeln sich aus erleb­ten Erfah­run­gen, die man in ähn­li­chen Kon­tex­ten immer wie­der gemacht hat. Erfah­run­gen macht man „unter Akti­vie­rung emo­tio­na­ler Zen­tren”. Dabei wer­den kogni­ti­ve und(!) emo­tio­na­le Antei­le in Form eines gekop­pel­ten Netz­wer­kes im Hirn mit­ein­an­der ver­bun­den, d.h. man kann sagen, „was” man in einer Situa­ti­on erfah­ren hat (Kogni­ti­on) und wie es einem in die­ser Situa­ti­on ging (Emo­ti­on). Wenn man nun immer wie­der Erfah­run­gen in ähn­li­chen Kon­tex­ten macht, ver­dich­ten sie sozu­sa­gen die gekop­pel­ten Netz­wer­ke wie ein Bün­del, das man im Sprach­ge­brauch als Hal­tung benennt. (Quel­le: sie­he Link oben)

Aus­zug aus der aktu­el­len Grund­schul­ord­nung in Rhein­land-Pfalz:

§ 1, Abs 1: Die Grund­schu­le führt die Schü­le­rin­nen und Schü­ler in das schu­li­sche Ler­nen ein. Sie befä­higt sie zum selbst­stän­di­gen und gemein­sa­men Ler­nen und Han­deln. Sie lei­tet zur Über­nah­me von Wer­ten, Ein­stel­lun­gen und Hal­tun­gen im Sin­ne des § 1 des Schul­ge­set­zes (SchulG) an. Sie bie­tet den Schü­le­rin­nen und Schü­lern Hil­fen und Ori­en­tie­rung und för­dert ihre indi­vi­du­el­le Ent­wick­lung.

Produziert Schule lustlose Pflichterfüller?

Der öster­rei­chi­sche der­Stan­dard am 18. April 2012 im Inter­view mit dem Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Prof. Gerald Hüt­her:

  1. Um nach­hal­tig zu ler­nen, braucht das Hirn vor allem Begeis­te­rung. Aber kann Ler­nen ohne Druck über­haupt funk­tio­nie­ren?
  2. War­um ler­nen klei­ne Kin­der so viel und leicht?
  3. Was sagen gute Noten über einen Schü­ler aus?
  4. Woher soll der Mut für Ver­än­de­run­gen kom­men?
  5. Wie kön­nen Schu­len Orte der Poten­zi­a­l­ent­fal­tung wer­den?
  6. Wel­chen Ein­fluss haben die Leh­rer?
  7. Was hat Schu­le mit Erb­sen zu tun?
  8. Was kön­nen Eltern tun, die Ver­än­de­run­gen für ihre Kin­der wün­schen?

Treibhäuser der Zukunft

Prof. Dr. Els­be­th Stern, Max-Planck-Insti­tut für Bil­dungs­for­schung:

Der fra­gend-ent­wi­ckeln­de Unter­richt ist in Deutsch­land die ver­brei­tets­te Form, um Wis­sen zu ver­mit­teln. Man nennt das übri­gens auch Oster­ha­sen­päd­ago­gik, weil der Leh­rer die Eier, das Wis­sen, ver­steckt, das von den Schü­lern gefun­den wer­den soll. So wird Wis­sen in der Schu­le erwor­ben. Die Auf­ga­ben, die mir der Leh­rer vor­ge­ge­ben hat, muss ich lan­ge genug üben, dann kann ich sie. Aber sobald die Auf­ga­ben von dem übli­chen For­mat in der Schu­le abwei­chen, das haben PISA und TIMMS gezeigt, kön­nen vie­le deut­sche Schü­ler die­se Auf­ga­ben nicht mehr lösen, weil das Wis­sen trä­ge und unfle­xi­bel abge­spei­chert ist. Es war immer nur auf eine bestimm­te Anfor­de­rung zuge­schnit­ten.”

Dr. Andre­as Schlei­cher, inter­na­tio­na­ler PISA-Koor­di­na­tor:

Wenn sie sich die Leis­tun­gen im Bereich Natur­wis­sen­schaf­ten anschau­en, dann kön­nen sie sagen: Na gut, mit den Ergeb­nis­sen kön­nen wir leben. Aber was ist, wenn die Schü­ler am Ende ihrer Schul­zeit sagen: Ich habe jetzt Natur­wis­sen­schaf­ten gemacht, damit will ich nie wie­der was zu tun haben in mei­nem Leben!? Ein gro­ßer Teil die­ser Schü­ler ist total demo­ti­viert. Wir haben irgend­wie noch das Wis­sen ver­mit­telt, aber die Moti­va­ti­on wei­ter­zu­ler­nen, im Leben ihre Kom­pe­ten­zen aus­zu­bau­en, die haben wir im Grun­de unzu­rei­chend geför­dert.”

Prof. Dr. Man­fred Spit­zer, Uni­kli­nik Ulm:

Salopp gespro­chen, vor­mit­tags sind die Kin­der kurz vorm Tief­schlaf. Und wenn man nun noch weiß, dass Emo­tio­nen ganz wesent­li­ch für Lern­vor­gän­ge sind und die­se sich vor­mit­tags nicht abspie­len, dann ist natür­li­ch klar, dass vor­mit­tags eben Zeit ver­döst wird, aber dass nicht wirk­li­ch gelernt wird. Also müs­sen wir dafür sor­gen, dass Schu­len wie­der akzep­tier­te Orte sind, wo Lebens­voll­zug statt­fin­det. Für vie­le Schü­ler bedeu­tet Schu­le: Da geht man hin, schal­tet irgend­wie ab und erst wenn man drau­ßen ist, geht das Leben wie­der wei­ter.”

aus der ers­ten DVD Treib­häu­ser der Zukunft

Macht weniger Arithmetik erfolgreicher in Mathe? (Teil1)

Vor Jah­ren wur­de mit Kin­dern aus „bil­dungs­fer­nen Eltern­häu­sern” ein Expe­ri­ment durch­ge­führt. Ver­an­wort­li­ch dafür war Louis P. Bene­zet, der zum dama­li­gen Zeit­punkt Schul­rat in New Hamp­shire (nörd­li­ch von New York) war. In aus­ge­wähl­ten Schu­len mit einem hohen Immi­gran­ten-Anteil wur­de dar­auf ver­zich­tet, for­ma­le Arith­me­tik zu unter­rich­ten. Arith­me­tik ist der Teil­be­reich in Mathe, der das Rech­nen mit Zah­len (Grund­re­chen­ar­ten, Brü­che) beinhal­tet. In den Expe­ri­ment­klas­sen wur­den von der ers­ten Klas­se an kei­ne sys­te­ma­ti­schen Lehr­gän­ge mehr durch­ge­führt. Die Ergeb­nis­se der Expe­ri­men­te waren sehr ver­blüf­fend und zugleich spek­ta­ku­lär. Trotz­dem haben nur die wenigs­ten Men­schen davon gehört.

„Macht weni­ger Arith­me­tik erfolg­rei­cher in Mathe? (Teil1)” wei­ter­le­sen