Offensive Bildung

Die BASF AG lud im Rah­men ihrer „Offen­si­ve Bil­dung” am 13. März 2013 den Hirn­for­scher Gerald Hüt­her ein, der im Lud­wigs­ha­fe­ner Fei­er­abend­haus zum The­ma sprach „Wie ler­nen gelingt – die beson­de­re Bedeu­tung der Bezie­hung”.

Den voll­stän­di­gen Vor­trag Hüt­hers, ein Inter­view mit Ralph Kühnl vom Rhein-Neckar Fern­se­hen, sowie den aus­führ­li­chen schrift­li­chen Kom­men­tar von Kühnl hal­te ich für sehr sehens- und lesens­wert: Bau­stel­le Bil­dung – Gedan­ken zur TV-Pro­duk­ti­on mit Prof. Gerald Hüt­her Für das Fern­se­hen spricht Kühnl auch noch einen 2-minü­ti­gen Video-Kom­men­tar ein.

Die BASF bie­tet wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Ver­an­stal­tungs­tag und dar­über hin­aus sehr infor­ma­ti­ve Prä­sen­ta­tio­nen, sie­he Fach­kon­gress 2012 ganz unten.

Was ist die genuine Aufgabe von Schule?

Im Fol­gen­den ein sinn­ge­mäß zusam­men­ge­fass­ter Aus­schnitt aus einem Vor­trag, den ich gera­de höre:

Es geht in der Schu­le nicht dar­um, dass wir die Kul­tur­gü­ter (Lesen, Schrei­ben, Rech­nen) von einer in die nächs­te Gene­ra­ti­on brin­gen. Es geht dar­um, dass wir den Geist immer wie­der neu ent­fa­chen, der die­se Kul­tur­gü­ter her­vor­ge­bracht hat.” (Hein­rich Roth, dt. Päd­ago­ge)

Das Pro­blem ist nur, dass wir das in der Schu­le nicht mes­sen kön­nen. Des­we­gen mes­sen wir lie­ber, ob Schü­ler Deutsch, Mathe und Eng­lisch kön­nen. Aber ob sie den Geist erfah­ren haben, der sie zu begeis­ter­ten Ler­nern macht, mit des­sen Hil­fe, sie sich all das erschlie­ßen, das bleibt auf der Stre­cke. Und dann wird Ler­nen regel­recht zu müh­sa­mer Arbeit, zu der man jedes Mal „hin­ge­peitscht” wer­den muss. Das funk­tio­niert auch. Man nennt das Abrich­tung oder Dres­sur. Das Pro­blem dabei ist nur, dass die Freu­de am Gestal­ten, mit der man als jun­ger Mensch in die Welt hin­aus­geht, kaputt gemacht wird, weil man die Erfah­rung macht, dass es nicht dar­auf ankommt, zu ent­de­cken und zu gestal­ten, son­dern in ers­ter Linie dar­auf, zu gehor­chen. Die­se Men­schen haben dann kei­ne Lust mehr am Ler­nen und kön­nen lang­fris­tig ein gro­ßes Pro­blem bekom­men.

Ein Bei­spiel: Mei­ner Oma wur­de „Die Glo­cke” von Schil­ler, wie sie erzähl­te, mit der Rute bei­ge­bracht. Das Gedicht konn­te sie bis ins hohe Alter von 85 Jah­ren auf­sa­gen. Aber jedes­mal, wenn sie an Gedich­te dach­te, bekam sie ein flau­es Gefühl im Magen. Sie hat selbst auch nie wie­der Gedich­te geschrie­ben oder jemals gemocht. Aber das Ziel war den­noch erreicht: Das Kul­tur­gut „Die Glo­cke” von Schil­ler ist über­lie­fert wor­den, ihre – mög­li­che – Begeis­te­rung an der Poe­sie ist dabei ver­lo­ren gegan­gen.

„Was ist die genui­ne Auf­ga­be von Schu­le?” wei­ter­le­sen