Was macht den guten Lehrer aus?

Ulrich Stef­fens, tätig am Ladesschul­amt in Hes­sen, stellt in sei­nem Vor­trag vom März 2014 die wesent­li­chen Aus­sa­gen der Hat­tie-Stu­die dar. Sein Vor­trag stellt einen wirk­li­ch gelun­ge­nen Ein­stieg in das The­ma dar. Denn Stef­fens erzählt sehr ver­ständ­li­ch, ohne sich in Details zu ver­ren­nen. Er räumt neben­bei noch mit Mythen auf, die um die­se Stu­die her­um auf­ge­kom­men sind.

Sei­ne Folie gibt es in ähn­li­cher Form direkt bei Visi­ble Learning.

Wei­te­re Arti­kel von Stef­fens:

Hausaufgaben in Klasse 1

Hier ent­steht eine Samm­lung von geöff­ne­ten Haus­auf­ga­ben, die ich in einem wöchent­li­chen Auf­ga­ben­blatt aus­tei­le. Der Schwer­punkt liegt dabei auf dem Auto­ma­ti­sie­ren und Aus­pro­bie­ren. Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu die­ser Form von Auf­ga­ben habe ich bereits vor weni­gen Jah­ren im Arti­kel Haus­auf­ga­ben – wenn ja, wie? ver­fasst.

Ein Bei­spiel­blatt: [gview file=„http://skolnet.de/wp-content/uploads/2013/04/ha-kl1-beispiel.pdf”]

Im Ori­gi­nal habe ich rechts immer ein klei­nes Strich­bild (z.B. den Fisch Nemo, einen Dino, einen Poli­zis­ten etc.), das ich von schulbilder.org ein­fü­ge. Neu­li­ch hat­te ich doch tat­stäch­li­ch eines ver­ges­sen (sie­he oben), was zu einem rie­si­gen Auf­schrei in der Klas­se führ­te: „Wo ist unser Bild!?” Auf die Linie notie­ren sich die Kin­der täg­li­ch ein bis zwei Buch­sta­ben, die sie selbst­stän­dig als „Schön­schrei­b­übung” im Heft durch­füh­ren. Meist bie­te ich ein, manch­mal auch zwei dop­pel­sei­ti­ge Arbeits­blät­ter an, die ich vor­stel­le und a) erfra­ge, wer dar­an inter­es­siert ist oder b) den­je­ni­gen Kin­dern gebe, wo ich es für sinn­voll erach­te. So kopie­re ich auch nur die Men­ge an Papier, die benö­tigt wird. Auf­ga­ben wie zum Bei­spiel „Löse das Arbeits­blatt” habe ich daher in der Samm­lung unten nicht notiert. Für der­lei Auf­ga­ben nut­ze ich ger­ne die kos­ten­lo­se Soft­ware Rechen­blatt, mit der ich unkom­pli­ziert und schnell sehr dif­fe­ren­zier­te Blät­ter erstel­len kann. Da das Pro­gramm aber sehr kom­plex ist, muss man sich aus­führ­li­ch dar­in ein­ar­bei­ten.

Jeden Mon­tag tei­le ich ein neu­es Haus­auf­ga­ben­blatt aus. Selbst­ver­ständ­li­ch ist, dass alle Auf­ga­ben den Kin­dern aus dem Unter­richt bekannt sind. Da anfangs noch nicht alle lesen konn­ten, las ich die ers­ten meist 3 Auf­ga­ben vor. Davon wähl­ten sich die Kin­der dann eine aus, die sie ankreuz­ten / ein­kreis­ten. Diens­tags las ich noch ein­mal die ers­ten drei und dana­ch die nächs­ten 3 Auf­ga­ben vor usw. Ich beto­ne immer wie­der, dass nicht alle Auf­ga­ben in der Woche erle­digt wer­den müs­sen! Sie sol­len vor allem auch für Eltern eine Ori­en­tie­rungs­hil­fe sein. Man­che Kin­der möch­ten näm­li­ch auch schon mal an etwas ganz ande­rem arbei­ten, was ich nach Rück­spra­che in der Regel auch zulas­se.

Wich­tig ist mir, dass ich eini­gen Eltern erklä­re, dass es mir lie­ber ist, wenn sie, sofern mög­li­ch, mit ihrem Kind Auf­ga­ben machen, die das Kind noch indi­vi­du­el­ler in sei­nen momen­ta­nen Mög­lich­kei­ten för­dern. Dazu zäh­le ich bei­spiels­wei­se Auf­ga­ben aus der För­der­kar­tei für rechen­schwa­che Schü­ler oder spie­le­ri­sche Übun­gen zur pho­no­lo­gi­schen Bewusst­heit.

Bis­her habe ich hier Haus­auf­ga­ben aus 9 von 16 Wochen ver­öf­fent­licht. Der Rest folgt… Eini­ge weni­ge Auf­ga­ben sind dop­pelt. Ich wer­de sie im Lau­fe der Zeit ent­fer­nen.

„Haus­auf­ga­ben in Klas­se 1” wei­ter­le­sen

Individualisierter Unterricht und Arbeitswelt

Ges­tern führ­te ich ein Gespräch mit einer ange­hen­den Kol­le­gin, die sehr auf­ge­schlos­sen gegen­über einem alter­na­ti­ven Weg von schu­li­schem Ler­nen ist. Sie erzähl­te mir, dass es ihr vor ihren Freun­den schwer fal­le, ihre Ide­en für ein freie­res Ler­nen zu begrün­den. Oft wür­de ihr dann vor­ge­hal­ten, dass das nichts mit der Arbeits­welt zu tun hät­te. Kin­der, die in der Schu­le ent­schei­den dürf­ten, wor­an sie arbei­ten wol­len, wür­den spä­ter in der Arbeits­welt ihr blau­es Wun­der erle­ben. Dass der tie­fe­re Sinn von eige­nen Ent­schei­dun­gen der ist, einen Raum zu eröff­nen, in dem die Kin­der Selbst­wirk­sam­keit erfah­ren und sie lang­fris­tig Ver­ant­wor­tung für sich selbst (Eigen­ver­ant­wor­tung) ent­wi­ckeln kön­nen, habe ich bereits an ande­rer Stel­le beschrie­ben. Der Neu­ro­bio­lo­ge Gerald Hüt­her sieht dar­in das Kenn­zei­chen von „Auf­ga­ben, an denen man wach­sen kann”. Sol­che Auf­ga­ben stär­ken das Kind in sei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit. Ich den­ke, dass Per­sön­lich­keits­bil­dung in einem Raum, wo indi­vi­du­el­le Lern­we­ge und The­men ermög­licht wer­den, eher gelin­gen kann, als in einem Unter­richt, wo vor­ge­ge­be­ne Inhal­te abge­ar­bei­tet und nach­voll­zo­gen, sie aber für den ein­zel­nen Schü­ler oft genug ohne per­sön­li­chen Bezug blei­ben und schnell ver­ges­sen wer­den.

Mar­tin Lai­dig, Vater von Schul­kin­dern und Ange­stell­ter beim inter­na­tio­na­len Unter­neh­men Hei­del­ber­ger Druck, erklärt in einem Inter­view, wel­che Gemein­sam­kei­ten bestehen zwi­schen indi­vi­dua­li­sier­tem Unter­richt, wie er ihn aus der Schu­le Lern­Zeit­Räu­me kennt, und der heu­ti­gen Arbeits­welt:  Video anse­hen

Herr Lai­dig sagt im Video etwas sehr wich­ti­ges, sinn­ge­mäß: „Ein freie­res Ler­nen ist nicht für alle Schul­el­tern geeig­net.” Das kann ich aus eige­ner Erfah­rung im Umgang mit Eltern bestä­ti­gen und kann hier nur drin­gend emp­feh­len, dass Eltern ihre Ent­schei­dung für oder gegen ein freie­res, indi­vi­dua­li­sier­tes Ler­nen gründ­li­ch über­den­ken.

Der Aus­schnitt stammt aus der über­aus sehens­wer­ten Sen­de­rei­he Dos­sen­heim zur Krei­de­zeit.