Erwartungen am Ende von Klasse 3

Die Rah­men­plä­ne von Rhein­land-Pfalz geben seit eini­gen Jah­ren kei­ne Zie­le mehr für die ein­zel­nen Klas­sen­stu­fen in der Grund­schu­le vor. Ab dem kom­men­den Schul­jahr 2015/2016 wer­den nun wei­ter über­ar­bei­te­te Rah­men­plä­ne ver­bind­li­ch, in denen ähn­li­ch wie in Nord­rhein-West­fa­len für die Stu­fen 1 und 2, sowie 3 und 4 kokre­te­re Zie­le genannt wer­den sol­len.

Für mei­ne Arbeit habe ich in den letz­ten Jah­ren Erwar­tungs­ho­ri­zon­te für die ein­zel­nen Klas­sen­stu­fen for­mu­liert. Zwei Fra­gen, die hier­zu immer wie­der auf­tau­chen, habe ich hier kurz erläu­tert und beant­wor­tet.

Vor einem bzw. zwei Jah­ren etwa habe ich die Lern­zie­le / Erwar­tun­gen für das Ende von Klas­se 1 und Klas­se 2 ver­öf­fent­licht. Heu­te nun kom­men auch die Ziele/Erwartungen für Klas­se 3 hin­zu.

„Erwar­tun­gen am Ende von Klas­se 3” wei­ter­le­sen

Erwartungen am Ende von Klasse 1

Die aktu­el­len Rah­men­plä­ne in Rhein­land-Pfalz stel­len nur noch die Zie­le und Erwar­tun­gen dar, die von den Schü­lern am Ende von Klas­se 4 erreicht wer­den sol­len. Aus­ge­hend davon habe ich mir für jedes Schul­jahr einen sog. „Erwar­tungs­ho­ri­zont” für Deut­sch und Mathe­ma­tik erstellt. Die­se Erwar­tun­gen ver­schaf­fen mir einer­seits einen Über­bli­ck dar­über, wie weit jedes Kind in sei­ner Ent­wick­lung ist und ande­rer­seits bie­ten sie mir Ori­en­tie­rung im schu­li­schen All­tag. Ganz wesent­li­ch ist dabei, dass ich vom Ende eines Schul­jah­res her den­ke. Für mich ist das ein zen­tra­ler Unter­schied zu dem, wie ich noch vor ein paar Jah­ren auf Unter­richt geblickt habe. Dadurch gelingt es mir eher, mei­nen Bli­ck auf die wesent­li­chen inhalt­li­chen Aspek­te zu fokus­sie­ren und mich nicht im Klein und Klein des All­tags zu ver­lie­ren.

Wird jedes Kind jede einzelne Erwartung am Ende von Klasse 1 erfüllen (können)?

Es geht nicht dar­um, dass jede ein­zel­ne Erwar­tung im Detail erfüllt wird. Die Erwar­tun­gen ste­hen hier zwar gleich­wer­tig unter­ein­an­der, aber nicht alle sind gleich bedeu­tend für den lang­fris­ti­gen schu­li­schen Lern­er­folg! Man­ches darf eher ver­ges­sen wer­den als Ande­res. So ist zum Bei­spiel in Klas­se viel wich­ti­ger, dass ein Kind über ein gut ent­wi­ckel­tes pho­no­lo­gi­sches Bewusst­sein ver­fügt, als dass es auf Kos­ten die­ser basa­len Fähig­keit bereits alle Lern­wör­ter rich­tig schreibt!! Kin­der sind ver­schie­den und ler­nen unter­schied­li­ch schnell. Ohne das fach­li­che Hin­ter­grund­wis­sen (Auf wel­che Zie­le kommt es wirk­li­ch an?) mag man daher fehl­ge­lei­tet sein und alle Erwar­tun­gen im Sin­ne von „Alles ist gleich wich­tig!” inter­pre­tie­ren. Errei­chen am Ende des Schul­jah­res man­che Kin­der zu vie­le der Lern­zie­le nicht in dem gewünsch­ten Maße und ist auch eine Ver­bes­se­rung in abseh­ba­rer Zeit eher nicht zu erwar­ten, soll­te gemein­sam mit den Eltern über wei­te­re Maß­nah­men und Wege nach­ge­dacht.

Alle Erwar­tun­gen / Lern­zie­le müs­sen also immer im Kon­text zu den Mög­lich­kei­ten jedes ein­zel­nen Kin­des gese­hen wer­den. Das heißt:

Lern­ziel  ⇒  Bedeutung/Stellenwert des Lern­ziels + Leis­tungs­ver­mö­gen des Kin­des ⇒ Stimmt die Lern­ent­wick­lung des Kin­des?

Wie überprüfe ich die Erwartungen?

Von den Kern­fä­hig­kei­ten unten habe ich mir eine tabel­la­ri­sche Lis­te ange­legt (x-Ach­se: Schü­ler­na­men, y-Ach­se: Erwar­tun­gen), die ich regel­mä­ßig durch­ge­he. Im Rah­men von dia­gnos­ti­schen Tests, z.B. einem Über­for­de­rungs­test, stan­dar­di­sier­ten Tests und ande­ren Auf­ga­ben, d.h. der zwei­ten Säu­le des „Unter­richts bei mir”, sowie den vie­len täg­li­chen Beob­ach­tun­gen behal­te ich einen sehr guten Über­bli­ck über den Leis­tungs­stand jedes ein­zel­nen Kin­des.

„Erwar­tun­gen am Ende von Klas­se 1” wei­ter­le­sen

Gedanken zum 4. Schuljahr

Nächs­ten Mon­tag beginnt das neue Schul­jahr in Rhein­land-Pfalz. Für mich bedeu­tet das, die Kin­der der 4. Klas­se zum Ende der Grund­schul­zeit zu füh­ren. Aus­ge­hend von den Erfah­run­gen aus den letz­ten drei Schul­jah­ren habe ich mir ein paar Neue­run­gen über­legt.

Ers­tens: Ange­regt von dem Kon­zept der gewalt­frei­en Kom­mu­ni­ka­ti­on nach Mar­shall Rosen­berg habe ich mich mit sog. Giraf­fen­schu­len aus­ein­an­der­ge­setzt (u.a.  GFK, Buch: GFK in der Schu­le, The day of the giraf­fe, …). Hier fand ich eine sim­ple Lösung für das Dilem­ma von Offen­heit und Ziel­ori­en­tiert­heit im offe­nen Unter­richt. In Giraf­fen­schu­len wer­den die Erwar­tun­gen, die an die Schü­ler gestellt wer­den, für alle ein­fach prä­sent gemacht: „Das erwar­te ich von dir am Ende des Schul­jah­res.” Die Erfah­rung soll damit, was ich gele­sen habe, äußer­st posi­tiv sein.  Für mich lei­te­te ich dar­aus ab, für die Fächer Mathe, Deut­sch und Sach­un­ter­richt (= Wis­sen) eine Vor­la­ge zu ent­wer­fen, auf denen ich die wesent­li­chen Fähig­kei­ten und Fer­tig­kei­ten auf­zäh­le, die einer­seits von den Bildungsstandards/Rahmenplan vor­ge­ge­ben sind und ande­rer­seits mei­ne Erwar­tun­gen abde­cken. „Gedan­ken zum 4. Schul­jahr” wei­ter­le­sen

Standards Mathematik

In den Bil­dungs­stan­dards für die Grund­schu­le wird beschrie­ben, dass für die erfolg­rei­che Nut­zung und Aneig­nung von Mathe­ma­tik fünf zen­tra­le mathe­ma­ti­sche Kom­pe­ten­zen not­wen­dig sind:

1. Pro­blem­lö­sen [DENKEN, DENKEN, DENKEN!!!] 2. Kom­mu­ni­zie­ren [REDEN, REDEN, REDEN!!!] 3. Argu­men­tie­ren [ERKLÄREN und BEGRÜNDEN!!!] 4. Model­lie­ren [SACHPROBLEME ÜBERSETZEN!!!] 5. Dar­stel­len

Die Bil­dungs­mi­nis­ter­kon­fe­renz ist mit dem Anspruch, die­se fünf Kom­pe­ten­zen zum Schlüs­sel für den Erwerb von Mathe­ma­tik zu benen­nen, dem mathe­ma­ti­schen Schul­all­tag in vie­len Klas­sen­räu­men um Jahr­zehn­te vor­aus geeilt! (In den ecki­gen Klam­mern oben befin­den sich Anmer­kun­gen von mir.)

Die­se fünf Kom­pe­ten­zen sol­len sich im Zusam­men­spiel mit den fol­gen­den Inhal­ten bis zum Ende von Klas­se 4 ent­wi­ckeln, eine Auf­lis­tung:

1) ZAHLEN UND OPERATIONEN [Arithmetik]

Zahldarstellungen und Zahlbeziehungen verstehen

  • den Auf­bau des dezi­ma­len Stel­len­wert­sys­tems ver­ste­hen,
  • Zah­len bis 1.000.000 auf ver­schie­de­ne Wei­se dar­stel­len und zuein­an­der in Bezie­hung set­zen,
  • sich im Zah­len­raum bis 1.000.000 ori­en­tie­ren (z. B. Zah­len der Grö­ße nach ord­nen, run­den).

Rechenoperationen

  • die vier Grund­re­chen­ar­ten und ihre Zusam­men­hän­ge ver­ste­hen,
  • die Grund­auf­ga­ben des Kopf­rech­nens (Eins­plus­eins, Ein­mal­eins, Zahl­zer­le­gun­gen) gedächt­nis­mä­ßig beherr­schen, deren Umkeh­run­gen sicher ablei­ten und die­se Grund­kennt­nis­se auf ana­lo­ge Auf­ga­ben in grö­ße­ren Zah­len­räu­men über­tra­gen,

„Stan­dards Mathe­ma­tik” wei­ter­le­sen