Mein Schreibschriftheft

Neuli­ch fand ich mein altes Schreib­heft aus der 1. Klas­se. Ich war über­rascht, wie sau­ber ich schon weni­ge Mona­te nach Schul­be­ginn schrei­ben konn­te. Erstaunt war ich zudem dar­über, dass wir schon sehr früh mit der latei­ni­schen Aus­gangs­schrift ange­fan­gen haben. Als ich Leh­rer wur­de, began­nen die damals ältes­ten Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen frü­hes­tens in Klas­se 2 mit der Schreib­schrift. Mitt­ler­wei­le ist das Ziel für die Hand­schrift in Rhein­land-Pfalz nur noch for­mu­liert als: „eine gut les­ba­re Hand­schrift flüs­sig schrei­ben” zu kön­nen. Die Schü­ler kön­nen, sie müs­sen also nicht eine Schreib­schrift erler­nen.

Inter­es­sant fin­de ich hier das Wort „flüs­sig”. Was ist damit eigent­li­ch gemeint? Flüs­sig ist die Tin­te im Fül­ler, aber wie funk­tio­niert ‘flüs­sig schrei­ben’? Ist hier­mit viel­leicht eher „flie­ßend” gemeint? Wenn es flie­ßend wäre, müss­te es dann aber nicht eine Schreib­schrift sein? Wie soll die Schrift flie­ßen, wenn sie nach jedem Buch­sta­ben abge­setzt wer­den muss?

Ich habe in den letz­ten zwei Durch­gän­gen das Erler­nen der Schreib­schrift im Sin­ne des Rah­men­plans frei gestellt. Es gab eini­ge Kin­der, die sich dar­auf gestürzt haben, wäh­rend die eher etwas grob­mo­to­ri­schen, kein Inter­es­se dar­an zeig­ten. Im nächs­ten Durch­gang ab Klas­se 1 bin ich mir noch nicht sicher, ob ich nicht viel­leicht doch die latei­ni­sche Aus­gangs­schrift ver­pflich­tend machen soll­te.

Zum Anse­hen: Mein Schreib­schrift­heft aus der 1. Klas­se (26 MB) Erwähnt sei, dass nicht alle Kin­der so sau­ber geschrie­ben haben. Das sage ich des­halb, um der all­ge­mei­nen Aus­sa­ge „Frü­her war alles bes­ser” ent­ge­gen zu wir­ken!

Schreiben zu Satzanfängen

Auf mei­nen Haus­auf­ga­ben­blät­tern fin­det sich regel­mä­ßig eine Auf­ga­be, bei der mei­ner Erfah­rung nach immer wie­der inhalt­li­ch und sprach­li­ch recht gelun­ge­ne kur­ze Tex­te ent­ste­hen. Von daher möch­te ich die Idee hier wei­ter­ge­ben. Erfah­rungs­ge­mäß füh­len sich die eher „schreib­trä­ge­ren” Kin­der von die­ser Auf­ga­be ange­spro­chen. Glei­cher­ma­ßen eig­net sie sich auch für die schreib­stär­ke­ren Kin­der, da sie hier­bei gezwun­gen wer­den, sich auf den Punkt aus­zu­drü­cken.

In der letz­te Woche hieß es:

Schrei­be einen kur­zen und sinn­vol­len Text mit 7 Sät­zen. Benut­ze die­se Satz­an­fän­ge. Als… Inzwi­schen… Jetzt… Manch­mal… Aber… Viel­leicht… Bestimmt… Schrei­be am Ende eine Über­schrift.

Für den kom­men­den Frei­tag wer­de ich der Ver­tre­tungs­kol­le­gin fol­gen­de Wör­ter für die ers­te Stun­de mit­ge­ben:

Neu­li­ch… Als… Dann… Etwas spä­ter… Nun… Manch­mal… Aber… Viel­leicht… Bestimmt… Bald… Schließ­li­ch… DU HAST ZWEI JOKER!

Beim Joker kön­nen sich die Kin­der eige­ne Satz­an­fän­ge über­le­gen. Die Rei­hen­fol­ge der Satz­an­fän­ge las­se ich zwar varia­bel, aller­dings nei­gen die meis­ten Kin­der dazu, mei­ne Rei­hen­fol­ge zu über­neh­men.

Down­load: Kurz­auf­satz

Computer in der Grundschule

Mein ers­ter Com­pu­ter, ja, das ist schon lan­ge her! Es war der Com­mo­do­re 16, den ich mir damals von mei­nem erspar­ten Geld für 150 DM gekauft habe. Gen­au die­ser C-16 war 1985 der ers­te jemals von Aldi ver­kauf­te Com­pu­ter. Ich erin­ne­re mich noch sehr gen­au dar­an, dass dem Com­pu­ter eine Data­set­te bei­lag! Wow! 😀 Etwas spä­ter spiel­te und arbei­te­te ich mit einem C-64 und dem Ata­ri 520ST. Nach meh­re­ren Jah­ren ohne Com­pu­ter und einer neu­en Frei­zeit­be­schäf­ti­gung folg­te 1998 dann der ers­te „moder­ne” PC mit Win­dows. Zur glei­chen Zeit etwa stieß ich auf die Idee von Open Sour­ce, was mich zu Linux führ­te. Nur weni­ge Jah­re spä­ter kehr­te ich Win­dows den Rücken und wech­sel­te ganz zu Linux. Seit­dem nut­ze ich pri­vat abwech­selnd ver­schie­de­ne Linux-Dis­tri­bu­tio­nen. Ich den­ke also, dass ich über eine recht lan­ge Erfah­rung mit diver­sen Com­pu­tern ver­fü­ge und das nahe­zu „von Kin­des­bei­nen an”.

Im Arti­kel Vor­sicht Bild­schirm, Kin­der! habe ich von einer Ver­an­stal­tung mit Man­fred Spit­zer berich­tet, die ich kürz­li­ch besucht habe. Wäh­rend des Vor­tra­ges mus­s­te ich häu­fig an mei­ne Erfah­run­gen aus dem Unter­richt­s­all­tag und vor allem der Com­pu­ter-AG den­ken. So erzähl­te Spit­zer u.a.:

  1. Such­ma­schi­nen sind für Kin­der unge­eig­net. Gezielt suchen kann nur der­je­ni­ge, der schon viel über ein The­ma weiß.
  2. Com­pu­ter ver­lei­ten zum Dad­deln.
  3. Mit der Hand zu schrei­ben, för­de­re das Den­ken.

„Com­pu­ter in der Grund­schu­le” wei­ter­le­sen

Mein Diktatheft

Eini­ge Wochen vor Schul­jah­res­en­de von Klas­se 2 sag­te ein Mäd­chen zu mir: „Herr Bre­u­ning, war­um sol­len wir eigent­li­ch immer schön schrei­ben, wenn dei­ne Schrift nicht so schön ist?!” Was hat­te ich doch für ein Glück, dass ich erst eini­ge Tage zuvor auf ein paar mei­ner alten Schreib­hef­te gesto­ßen bin, die ich selbst im 2. Schul­jahr beschrie­ben hat­te. Als ich dem Mäd­chen dann eini­ge der Hef­te aus mei­ner Grund­schul­zeit zeig­te, staun­te sie nicht schlecht über mei­ne Hand­schrift.

Was die Hand­schrift anging, hat­te ich damals wirk­li­ch viel Muße dafür! Ich erin­ne­re mich noch sehr gut dar­an, wenn mir Frau Finck ein­zel­ne Buch­sta­ben und spä­ter Wör­ter in die Lini­en­an­fän­ge der Hef­te schrieb, die ich dann immer wie­der ergänz­te. Ich emp­fand damals größ­te Freu­de, wenn alles schön gleich­mä­ßig aus­sah. Über­haupt spiel­te Schrift damals eine gro­ße Rol­le für mich. Ich weiß noch sehr gut, dass ich – im dama­li­gen West-Ber­lin lebend – Brief­freund­schaf­ten nach Jugo­sla­wi­en, West-Deutsch­land und in die Tsche­cho­slo­wa­kei zu gleich­alt­ri­gen Freun­den und Ver­wand­ten hat­te. Regel­mä­ßig saß mei­ne Mut­ter an mei­ner Sei­te und dik­tier­te mir, wie die­ses oder jene Wort in mei­ner Mut­ter­spra­che geschrie­ben wur­de.

„Mein Dik­tat­heft” wei­ter­le­sen