Überforderungstests – ein Element evidenzbasierten Lernens

Das zen­tra­le Anlie­gen in der sog. Hat­tie-Stu­die ist es, dass wir das Ler­nen sicht­bar machen. Ler­nen sicht­bar zu machen, bedeu­tet, dass wir uns

  1. auf die indi­vi­du­el­len Lern­fort­schrit­te der Kin­der fokus­sie­ren [sie­he auch Anmer­kung unten] und
  2. die­se Fort­schrit­te belast­bar(!) nach­wei­sen kön­nen.

Hat­tie geht es dar­um, dass sich Leh­rer am Drei­satz „Dia­gno­se – Inter­ven­ti­on – Kon­trol­le” ori­en­tie­ren und damit ihr Han­deln auf sei­ne Wirk­sam­keit hin prü­fen. Das erin­nert mich an eine Arbeits­wei­se, wie sie in der Phar­ma­zie-Ent­wick­lung selbst­ver­ständ­lich ist.

Wie könn­te das im Hin­blick auf die doch sehr vie­len Klas­sen­ar­bei­ten aus­se­hen? Seit eini­gen Jah­ren las­se ich ange­regt durch die Dok­tor­ar­beit von F. Peschel soge­nann­te Über­for­de­rungs­tests in Arith­me­tik schrei­ben. Hier­bei han­delt es sich um ein und den­sel­ben Test, der über die 4 Grund­schul­jah­re hin­weg nahe­zu unver­än­dert geschrie­ben wird. Für die Recht­schrei­bung habe ich mit einer Kol­le­gin eben­falls einen Über­for­de­rungs­test ent­wor­fen. Das Wesen eines Über­for­de­rungs­tests ist, dass dar­in sämt­li­che Schwie­rig­keits­stu­fen von Klas­se 1–4 ent­hal­ten sind. Erst- und Zweit­kläss­ler wer­den einen sol­chen Test in den sel­tens­ten Fäl­len voll­stän­dig lösen kön­nen.

Über­for­de­rungs­tests bedeu­ten für Leh­ren­de nicht mehr Arbeit, son­dern letzt­end­lich weni­ger – sofern sie denn gut kon­zi­piert sind. Denn Leh­ren­de müs­sen nun nicht mehr stän­dig neue Klas­sen­ar­bei­ten ent­wer­fen. Dazu ist es natür­lich nötig, dass man sich bewusst wird, was das Wesent­li­che des Unter­richts­fa­ches oder zumin­dest eines zu über­prü­fen­den Teil­be­reichs ist. Ein­mal gut kon­zi­piert könn­ten die Leh­ren­den einen Über­for­de­rungs­test zu fes­ten Zeit­punk­ten wie­der­holt schrei­ben las­sen. Even­tu­ell wer­den die Zah­len­wer­te in Arith­me­tik oder die Wör­ter für einen Recht­schreib­test aus­ge­tauscht, damit sich der Test über die Jah­re hin­weg nicht abnutzt.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen von Prof. Zie­rer und Prof. Beywl im Inter­view: „Visi­ble Learning for Tea­chers” – Ein Navi für die Lehr­kräf­te

Tipp: Unter­richts­dia­gnos­tik der Uni Koblenz-Land­au

Anmer­kung zu 1. oben: Die­ser Blick auf die indi­vi­du­el­le Ent­wick­lung seit laut Beywl, einem der Über­set­zer der Hat­tie-Stu­die ins Deutsch, DAS eigent­lich Revo­lu­tio­nä­re. Es gin­ge nicht mehr pri­mär dar­um, dass ver­ord­ne­te Anfor­de­run­gen erreicht wür­den, son­dern dar­um, dass jedes Kind in sei­ner „pro­xi­ma­len Zone” (Wygot­ski) ler­ne.

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