Ursachen für schwache Rechtschreibleistungen

Siek­mann / Tho­mé stel­len in ihrem Buch „Der ortho­gra­phi­sche Feh­ler” meh­re­re Stu­di­en vor, die bele­gen, dass die Recht­schreibleis­tun­gen in den letz­ten 30–40 Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich schwä­cher gewor­den sind (sie­he bei­spiels­wei­se [1], [2] und [3]).

Als mög­li­che Ursa­chen wer­den genannt:

  • abneh­men­de Bedeu­tung der Recht­schrei­bung an den Uni­ver­si­tä­ten, d.h. feh­len­de Pro­fes­su­ren für Recht­schrei­ber­werb und dadurch unzu­rei­chen­des Wis­sen bei künf­ti­gen Leh­rern
  • weni­ger Zeit in der Schu­le für die Recht­schrei­bung, weil neu­er ande­rer „Stoff” dazu­ge­kom­men ist
  • feh­len­de Vor­ga­ben in Bezug auf die Men­ge der zu ler­nen­den Wör­ter. Dar­über hin­aus wur­de bereits im Lau­fe der 60er, 70er und 80er Jah­re in eini­gen Lehr­plä­nen der Grund­wort­schatz bis um die Hälf­te ver­rin­gert.
  • Kin­der schrei­ben im Unter­richt kaum noch etwas ab.
  • Lehr­wer­ke / Schul­bü­cher, die didak­tisch falsch sind.
  • Kin­der wer­den zu früh mit der Recht­schrei­bung kon­fron­tiert. Viel ent­schei­den­der ist ein gutes sprach­li­ches Fun­da­ment (pho­no­lo­gi­sche Bewusst­heit), z.B. die Fähig­keit zur Vokal­dif­fe­ren­zie­rung, die Kin­der vor dem ers­ten Schul­jahr natur­ge­mäß kön­nen und im Lau­fe des 1. Schul­jah­res durch unsach­ge­mä­ße Beschu­lung ver­ler­nen!

Mei­ne The­se: Eine Ursa­che, war­um Kin­der so wenig abschrei­ben, könn­te im star­ken Ein­satz von Kopi­en in Form von „Arbeits­blät­tern”, „Lern­hef­ten”, „Füh­rer­schei­nen” lie­gen. Was da an Geld täg­lich durch Deutsch­lands Schu­len gejagt wird, unglaub­lich! Getreu dem Mot­to: Viel hilft viel.

Tho­mé / Siek­mann for­dern ins­ge­samt eine bes­se­re Koope­ra­ti­on zwi­schen der Didak­tik, den Kul­tus­mi­nis­te­ri­en und den Schul­buch­ver­la­gen.

Sie­he auch: „Fela” kor­ri­gie­ren – WIE?

Quel­len:

  • Tho­mé: ABC und ande­re Irr­tü­mer über Ortho­gra­phie, Recht­schrei­ben, LRS/Legasthenie. Olden­burg, 2013
  • Siek­mann / Tho­mé: Der ortho­gra­phi­sche Feh­ler. Olden­burg, 2012

A pro­pos ABC und ande­re Irr­tü­mer”: Die­ses Buch des Recht­schreib­for­schers Prof. Dr. Gün­ther Tho­mé, Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt, räumt mit vie­len sich hart­nä­ckig und tief sit­zen­den Irr­tü­mern auf, z.B. Irr­tum 1 – Recht­schrei­ben lernt man durch Lesen, Irr­tum 6 – Recht­schrei­bung lernt man durch Dik­ta­te, Irr­tum 7 – Je frü­her (Recht­schrei­bung), des­to bes­ser etc. Fun­diert und sehr lesens­wert! Die­ses Buch ist nichts für die­je­ni­gen, die ihre Vor­ur­tei­le bestä­tigt haben wol­len.

Wei­ter­ge­hen­de Info: Prin­zi­pi­en der deut­schen Recht­schrei­bung

Eine Antwort auf „Ursachen für schwache Rechtschreibleistungen“

  1. In den Klas­sen mei­ner Kin­der wur­den den Kin­dern kei­ner­lei Basis-Gra­phe­me ver­mit­telt, wie etwa der Schwa-Laut, das ie etc.Die Schü­ler wur­den sogar ange­hal­ten den Schwa-Laut als/e:/ aus­zu­spre­chen um rich­tig zu schrei­ben. Von Sei­ten der hie­si­gen Leh­rer meint man ‚dass ent­ge­gen der Ergeb­nis­se der DESI-Stu­die, das Lesen das Schrei­ben stark beein­flusst und umgekehrt.Mit Hil­fe der Anlaut-Tabel­len sol­len die Kin­der dann schrei­ben. Das Pho­no­lo­gi­sche wird total ver­nach­läs­sigt bzw gar nicht trainiert.Die ver­ste­hen dann auch nicht ‚war­um man Tee, Fee etc mit zwei e schreibt, eben wegen der End­laut-Beto­nung. Zwei­sil­bi­ge Wör­ter mit deutsch­spra­chi­gem Wort­stamm haben alle die­sen Schwa-Laut in der End­sil­be. Beim Prä­fix be- und ge- taucht die­ser wie­der auf. Ihre Hin­wei­se und Tipps erleich­tern einem sehr das Ver­ständ­nis um die Lern­pro­zes­se zu ver­bes­sern.
    Vie­len Dank noch ein­mal.

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